Chemie - ein vielseitiges Studium mit vielfältigen Berufsmöglichkeiten

Wie erzeugen Pflanzen Sauerstoff? Wie funktioniert ein Gen oder der Abgaskatalysator im Auto?

Jede dieser Fragen hat mit Chemie zu tun - einer faszinierenden Wissenschaft für alle, die unsere natürliche oder künstlich geschaffene Umwelt verstehen wollen. Die ungezählten Möglichkeiten, aus bekannten Stoffen neue Stoffe herzustellen (z.B. Heilmittel oder neue Materialien für technische oder medizinische Anwendungen), bieten ein reiches Betätigungsfeld für einen kreativen Geist. Immer leistungsfähigere Messmethoden und Computer machen es heute möglich, auch sehr komplizierte Vorgänge zu untersuchen und die Eigenschaften von Stoffen vorauszusagen, bevor diese hergestellt worden sind. Die Berufsmöglichkeiten nach dem Chemiestudium nehmen deshalb ständig zu. Dazu kommt, dass die Grenzen zwischen der Chemie und ihren Nachbardisziplinen Physik, Biologie und Medizin immer mehr abgebaut werden. Die Chemieausbildung trägt dem Rechnung; sie ist vielseitiger geworden und öffnet den Weg zu einer Vielfalt an beruflichen Tätigkeiten.

Neben der ,klassischen` Berufslaufbahn in der Chemie- und Pharmaindustrie, mit attraktiven Stellen in der Forschung, Entwicklung, Produktion und in vielen anderen Bereichen, gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten. In den letzten Jahren sind viele kleinere, innovative Chemie- und Biotechnologieunternehmen entstanden, die den Stellenmarkt enorm bereichern. Auch der Wunsch, sich nach dem Studium selbständig zu machen, lässt sich heute leichter verwirklichen als früher. Dazu kommen zahlreiche Stellen in staatlichen oder privaten Laboratorien und Organisationen, z.B. in den Bereichen Lebensmittel- oder Umweltchemie, an Schulen, Universitäten oder auch in nichtchemischen Betrieben. Wie die folgenden Kurzportraits zeigen, bietet das Chemiestudium neben der reinen Fachausbildung auch eine ausgezeichnete Grundlage für Tätigkeiten, die nicht mehr direkt mit Chemie zu tun haben.

Das Chemiestudium in Basel gewährleistet dank der überschaubaren Anzahl Studierender eine gute Betreuung durch Professorinnen, Professoren und Assistierende. Gerade bei Vertiefungsvorlesungen und Wahlpraktika ist der persönliche Kontakt zu den Dozierenden sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der einzelnen Forschungsgruppen sehr wertvoll.

Prof. Dr. A. Pfaltz





Vom Forscher zum Manager

Ich studierte an der Uni Basel Chemie und war überzeugt, ein Leben als Forscher auf dem Gebiet der Biochemie zu führen. Während des Studiums entdeckte ich aber, dass ich mehr an den Innereien der Chemie interessiert bin und landete deshalb bei der physikalischen Chemie. Da ich immer noch Forscher werden wollte, verbrachte ich einige Zeit an der Penn State University in Amerika. An meiner ersten Stelle in der Industrie tüftelte ich an neuen, total raffinierten Analysemethoden herum. Je länger ich forschte, desto stärker wurde der Wunsch, etwas Praktisches zu tun. So wechselte ich meine Stelle und beschäftigte mich die folgenden Jahre mit Umweltanalytik. Ich leitete einige Labors, die Abwasser, Abluft und Abfälle untersuchten. Dabei kam ich mit den Kollegen aus der chemischen Produktion in Kontakt und bewarb mich für einen Job als Betriebschemiker in der "Produktion Pharma". Nach ca. zwei Jahren in der Produktion hatte ich die Gelegenheit, von Anfang an beim Bau einer neuen Anlage für ein Erfolg versprechendes Medikament dabei zu sein. So lernte ich einiges über die Kunst des Ingenieurwesens. Heute leite ich diesen Betrieb mit ca. 50 Mitarbeitern.

Die Moral von der Geschichte: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.



Dr. Robert Kuhn
Besuch der Primarschule und des Gymnasiums in Trogen (AR).
Studium der Chemie und anschliessende Dissertation an der Universität Basel (1977-86).
Postdoktorat in den USA, Penn State (1986-87).
Seit 1988 verschiedene Stellen bei Ciba-Geigy später NOVARTIS.





Forschung - spannend wie das Lesen eines Krimis

Für unsere Klasse im ehemaligen Mädchengymnasium in Basel war Chemie ein Buch mit sieben Siegeln. Da wir das sichere Gefühl hatten, dass das auch bei grösserem Engagement so bleiben würde, verhielten wir uns ausgesprochen passiv. Glücklicherweise nahm uns unser Lehrer diese Verhaltensweise nicht sonderlich übel. Wir beendeten unseren Chemieunterricht zwar unwissend, aber immerhin ohne Aversion. Nach der Matur begann ich Medizin zu studieren und staunte nicht schlecht, als mir langsam klar wurde, dass diese vormals so nichtssagenden Strukturformeln eine mögliche Darstellungsform von Molekülen sind, dass diese Moleküle die Bausteine des Lebens sind und dass sie nicht starr und inert sind, sondern miteinander kommunizieren können. Diese Erkenntnis bewog mich denn auch, nach dem ersten medizinischen Examen, in Basel Chemie zu studieren. Es machte mir ausgesprochen Spass, mich in der guten und wissenschaftlich bereichernden Atmosphäre des Departements Chemie in die Welt der Moleküle vertiefen zu können.

Die Faszination, die für mich von der Erforschung neuer molekularer Zusammenhänge ausging, hat mich seit damals nie mehr losgelassen. Trotz meiner drei Kinder hat es mich immer wieder ins Labor zurückgezogen. Heute unterrichte ich im Biozentrum der Universität Basel und leite eine kleine Forschungsgruppe. Unsere neusten Erkenntnisse zeigen auf molekularer Ebene, wie es zu einer Resistenzentwicklung, d.h. zur Wirkungslosigkeit von Pharmaka kommen kann. Mit unseren physikalisch-chemischen Messungen können wir voraussagen, welche Moleküle eine solche Resistenz hervorrufen. Das Befriedigende an dieser einfachen Methode ist, dass sie die bisher zur Abklärung notwendigen Tierversuche weitgehend ersetzen kann.



PD Dr. Anna Seelig
Jugendjahre in Genf, Bern und Basel.
Chemiestudium und Doktorarbeit in biophys. Chemie, Basel (1966-73).
Geburt der Kinder: 1975, 1978, 1980.
Habilitation in Biochemie, Universität Basel (1992).
Seit 1992 Dozentin am Biozentrum Basel.
www.biozentrum.unibas.ch/report9899/seeliga.html






Chemie und Software-Entwicklung - ganz etwas anderes?

Eigentlich konnte ich es mir nicht vorstellen - weder vor noch während und noch viel weniger nach dem Chemiestudium - einmal in der weissen Schürze in einem Labor zu stehen. Vielmehr studierte ich Chemie, weil ich mir eine Grundlage schaffen wollte, die Welt zu verstehen. Bald merkte ich auch, dass das Chemiestudium mir mehr als nur fachliches Wissen beibrachte: Ich engagierte mich in verschiedenen studentenpolitischen Gremien, wurde Präsidentin vom VBC (Verband Basler Chemiestudierender), wo ich durch meine "Vermittlerrolle" zwischen Mitstudenten und Professoren Erfahrungen sammelte, die mir auch heute noch zugute kommen.

Nach dem Diplom erweiterte ich meinen Horizont durch einen einjährigen Aufenthalt an chemischen Instituten in St. Petersburg (Russland) und Kiew (Ukraine), wo ich neben der wissenschaftlichen Arbeit auch sehr viel über Land und Leute erfahren konnte.

Wieder in der Schweiz zurück, wollte ich mich neuen Herausforderungen stellen und fand sehr schnell einen Job als Software-Entwicklerin. Dieser Schritt war für mich nicht sehr gross, ist man bei der Programmierung doch auch auf analytisches Denkvermögen und selbständiges Arbeiten angewiesen, was ich während dem Studium gut geschult hatte. So sind viele meiner Kollegen ursprünglich Naturwissenschafter, die sich zu Programmierern weiterbilden liessen.



Verena F. Wanner
Gymnasium in Muttenz, Studium in Basel (1991-1995).
Anschliessend Aufenthalt in St. Petersburg und Kiew.
Anstellung bei einer Software-Firma (1997).
Seit 1999 Produktemanagerin einer online-Lernplattform bei e-Teach GmbH.





Den Traum realisiert: Die eigene Firma

Wir verbrachten unsere Schulzeit nicht an den gleichen Schulen - wir kannten uns damals noch gar nicht. Das Chemiestudium hat uns aber auf das gleiche "Karriere-Gleis" geführt. Unser Interesse galt während dem Studium besonders der organischen Chemie, also der klassischen, synthetischen Chemie. Während unseren Doktorarbeiten, welche neben viel Synthesen auch viel analytische Arbeiten beinhaltete, erkannten wir die Möglichkeit, unser breites, an der Universität Basel angeeignetes, chemisches Wissen in eine eigene Firma einzubringen und zu entfalten. Schliesslich war es schon immer unser Traum, "unser eigener Chef" zu sein. Unsere Firma stellt einen Dienstleistungsbetrieb im synthetisch- und analytisch-chemischen Bereich dar, welcher bereits nach kurzer Zeit namhafte Chemie- und Pharmakonzerne im In- und Ausland zu seinen Kunden zählen kann.

Die Gründung einer Firma direkt nach dem Studium ist immer noch eine sehr seltene Angelegenheit. Ermutigt zu diesem Schritt wurden wir aber neben der Eigeninitiative zusätzlich auch vonseiten der Universität Basel, welche uns bei der Firmengründung und beim Betriebsstart eine gute und wertvolle Unterstützung bot.



Dr. Andreas Gugger
Besuch der Primarschule, des Realgymnasiums und des Holbein-Gymnasiums in Basel (1976-88).

Dr. Philipp Wettstein
Besuch der Primarschule und des Gymnasiums Bäumlihof in Basel (1977-89).

Gemeinsam:
Studium der Chemie und anschliessende Dissertation an der Universität Basel (1989-99).
Gründung der Firma Syndeco GmbH (1998) und Betriebsstart (1999).





Chemiestudium: Eine breite Palette von Möglichkeiten

Nach der Matura auf dem zweiten Bildungsweg suchte ich ein Studium, welches eine breite Wissensbasis vermittelt. Das Chemiestudium eröffnet ein faszinierendes Spektrum, welches sich von Mathematik bis zur Biochemie, von praktischen Experimenten bis zu Computersimulationen erstreckt. Nach der Dissertation in physikalischer Chemie trat ich meine erste Stelle im kantonalen Laboratorium in Aarau an und erwarb das Eidgenössische Lebensmittelchemikerdiplom. Es galt dort, den Bereich der Spurenanalytik zu modernisieren, Fragen rund um die Trinkwasserkontrolle und den Grundwasserschutz zu lösen und mit einem Informatik-Projekt Sekretariats- und Laborbereich zu verknüpfen. Nachdem ich die Grundlage für den Chemierisiko-Kataster des Kantons geschaffen hatte, wechselte ich in die Geschäftsleitung eines grossen Ingenieurunternehmens, um eine neue Hauptabteilung Umwelt und Oekologie aufzubauen. Dabei lösten wir zahlreiche Umweltfragen, so beispielsweise für das Projekt Neue Alpentransversale (NEAT). In Ungarn galt es, hunderttausende von Haushalten künftig mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen. Gemeinsam mit der Zementindustrie zeigten wir, dass Abfälle für die Heizung der Drehrohr-Öfen umweltfreundlicher sind als Schiffsladungen von unersetzlichem Erdöl.

Heute leite ich am Bundesamt für Gesundheit den Bereich Verbraucherschutz. Mein Tätigkeitsfeld erstreckt sich von Gentechnologie bis zur Sicherheit von Kunststoff-Spielsachen. Ich vertrete die Schweiz an internationalen Konferenzen, ebenso gehören Medieninformationen, Vorträge und ein Lehrauftrag an der ETH und der Universität Zürich zu meinen vielseitigen Tätigkeiten. Meine Erwartung, mit einem Chemiestudium die Basis für eine spannende Berufstätigkeit zu legen, hat sich voll erfüllt.



Dr. Urs Klemm
Vermessungszeichnerlehre in Laufenburg.
Nach der Matura für Berufstätige: Studium der Chemie und
Dissertation an der Universität Basel (1973-80).
Kantonslabor Aarau (1981-89).
Leitung Umweltschutz und Oekologie GRUNER AG Basel (1989-96).
Seit 1996 Vizedirektor am Bundesamt für Gesundheit.




Informationen zum Studium, zur Studiendauer, zur Weiterausbildung, zu Auslandaufenthalten usw., sowie interessante Links:

www.chemie.unibas.ch
- how to study chemistry
- programme, tutorials, lerninfo
- gymnasien


Informationen zur Stadt Basel finden Sie unter anderem bei:

www.basel.ch



Kontaktadresse "Chemie an der Universität Basel":

Studiensekretariat
Institut für Anorganische Chemie
Spitalstrasse 51
4056 Basel
061 207 10 22




Redaktion und Fotos: J. Lecoultre
web: R. Pfalzberger